Aufbruch in die 4. Revolution - mit Bowling-Abend
2. Internationale Projektwoche am Felix-Fechenbach-Berufskolleg
Im April 2010 fand am Felix-Fechenbach-Berufskolleg die 2. internationale Projektwoche zum Thema „Mit Energie in unsere Zukunft“ statt. 57 Schüler- und StudentInnen, unter andern von den ausländischen Partnerschulen des FFB wie Litauen und Japan, fanden sich in Detmold ein. Gemeinsam mit den SchülerInnen des FFB bearbeiteten sie aus verschiedenen Blickwinkeln über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg das Thema Energie im Global Village. Durchgängige Sprache für alle war Englisch!
Zweiter Keller in der Erde
„Wir leben so, als ob wir noch eine zweite Erde im Keller hätten!“ Das war der plakative Einstieg für die erste Vorstellungsrunde. Die SchülerInnen stellten ihre Lebenssituation, die sie sich mit einem Fragenkatalog erarbeitet hatten, vor und setzten sich mit den unterschiedlichen Möglichkeiten des Energiesparens in den Feldern Bauen, Kochen und Beleuchtung auseinander.
Am folgenden Tag arbeiteten die Teilnehmer an den thematischen Schwerpunkten wie Gastronomie u. Hotellerie unter dem Gesichtspunkt Energie oder dem ökologischen Fußabdruck. Interessante Firmenbesichtigungen zu Zumtobel Beleuchtungstechnik, Lemgo und Stemberg Solartechnik, Lage ergaben ein umfassendes und vor allem praxisbezogenes Informationsangebot. Am Mittwoch wurden auf der Hannover Messe Firmen im Bereich regenerative Energien besucht. Auf der Rückfahrt konnten die Teilnehmer bei einem Zwischenstopp in Hameln die Legende vom Rattenfänger wieder aufleben lassen. Die Überlieferung ist ein internationales Kulturgut und kommt in den japanischen Schulbüchern wie auch in Litauen vor.
12% für den Reise- und Flugverkehr
Ein Vortrag mit dem Titel „Energiesparen ohne Verlust der Lebensqualität“ unter Leitung des Detmolder Energiespezialisten Klaus Michael vom Niedrig Energie Institut, Detmold leitete den 4. Tag der Projektwoche ein. Michael erläuterte anschaulich die jetzigen Energieverbräuche der Detmolder. Erstaunen löste aus, das in Detmold zum Beispiel 12% des gesamten Energiebrauchs für den Flug- und Reiseverkehr verwendet werden. (Grafik)
Die Möglichkeiten der Energieeinsparung sowie der Erzeugung von Energie wurden an konkreten Beispielen in Detmold erklärt. Von Seiten der Teilnehmer konnten dabei lebenspraktische Fragen wie der Umgang mit Schimmelpilzen in Wohnräumen infolge ungenügender Dämmung und falscher Lüftung oder die Frage, wie sich alte Fenster energetisch ohne einen teuren Austausch verbessern ließen, beantwortet werden.
siehe auch www.nei-dt.de/index.html
Detmolder Energie-Spaziergang
Ein Energiespaziergang durch die Stadt Detmold zeigte wie mit gezielter Energiepolitik durch große und kleine, in der Regel gasgetriebene Heizkraftwerke, Passivhausstandard für alle neuen öffentlichen Gebäude, sowie die energetische Altbausanierung am Bestand Energie eingespart werden kann.
Nach einem Mittagsessen in der neuen, im Niedrigenergie-Standard errichteten Mensa der Realschule II und der Besichtigung sanierter Mehrfamilienhäuser aus der Nachkriegszeit sowie eines kleinen „Singel-Passivhauses“ in Holzständer-Bauweise wurden die SchülerInnen von der stellvertretenden Bürgermeisterin Chris-Dore Richter im Rathaus empfangen und über die konkrete Energiepolitik der Stadt Detmold informiert.
Mit weniger Mitteln viel erreichen
Frau Richter lobte die in den letzten Jahren erreichte Energieeinsparung bedauerte aber, dass dieser Erfolg durch die Preissteigerungen auf dem Energiemarkt aktuell zu keiner Verringerung der Gesamtenergiekosten geführt habe. Erreicht wurde dies zum Beispiel durch das Programm „Energiesparen macht Schule“, das Prämien für die Hausmeister in den städtischen Schulen oder die Einführung des Passivhausstandards bei allen neuen städtischen Gebäuden zur Pflicht hat. Allerdings schränke die schwierige aktuelle Haushaltslage die Möglichkeiten ein. Man versuche jedoch, die geringeren Mittel auf wenige Projekte zu konzentrieren. „Lieber sanieren wir eine Schule von Grund auf im Passivhausstandard, als viele Kompromisse bei vielen Projekten mit wenig Effizienz“, betonte Christ-Dore Richter. Auf den privaten Wohnungsbau habe die Stadt wenig Einfluss. Allerdings mache man für neue Wohngebiete Auflagen, wie die Installation von Solaranlagen zur Energieversorgung und anderes. Hier können die staatlichen Förderprogramme des Bundes für regenerative Energieerzeugung helfen, die aktuell leider durch eine Haushaltssperre von Bundesfinanzminister Schäuble gestoppt wurden.
Ein Schlüssel für die Lösung der Zukunftsprobleme – die Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen
Es gibt genug Energie, das Problem sei die Verteilung war eine der Kernaussagen der Diskussion am runden Tisch zum Abschluss der Projektwoche. Die Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen im „Global Village“ sei ein Schlüssel für die Lösung der Zukunftsprobleme, da sie in der Regel für den Organisation des familiären Haushalts zuständig seien, betonte Dr. Burkhard Pohl, Die Grünen.
Der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Kemper nannte die dezentrale Verteilung der Primärenergie sowie die Optimierung von Batterien für Elektroautos als eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft. Entscheidend bleibe jedoch das persönliche Verhalten, die Lebensweise der Menschen im Global Village: „Die erforderliche Energie für einen Urlaubs-Trip nach Californium zum Beispiel, kann 18 Jahre lang die Ernährung einer bäuerlichen Familie gewährleisten,“ so Dr. Alexander Leicht, UNESCO. Ute Schäfer, SPD schlug vor, die Verwendung der Gelder aus dem Handel mit CO²-Zertifikaten zur Förderung regenerativer Energien zu verwenden.
Auch die Atomenergie wurde angesprochen. Die Müllprobleme seien ungelöst betonten mehrere Teilnehmer des runden Tisches. 100.000 Jahre radioaktive Strahlung erwarten uns und die Lagerung in andere Länder sei keine Lösung! „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir in Zukunft leben wollen“, Lebensqualität gehe auch anders, so die Aussage von Pohl. Kemper schlug einen sanften Ausstieg innerhalb der nächsten 25 Jahre vor.
Wünsche für die Zukunft
“Was wünschen Sie sich für die Zukunft?“, war die Abschlussfrage, die Moderator Heinrich Mühlenmeier, Umweltbeauftragter der Lippischen Landeskirche. an die Teilnehmer richtete. Ute Schäfer wünschte sich, dass sich mehr junge Menschen in den Parteien engagierten, um die Welt zu verbessern. Pohl forderte die Lehrer auf, die SchülerInnen zum Denken anzuregen, Hoffnung zu wecken und Vertrauen in die eigene Kraft zu finden. Die gebürtige Engländerin und angehende Baudenkmalpflegerische Assistentin Gemma Brunton, FFB wünschte sich, dass allen genug Energie zur Verfügung stehe. „Ein Land allein kann nicht viel erreichen“, betonte der Japaner Kunihiro Nagayama. Auch Juodelis Remigijus, Litauen wünschte sich, dass die Länder mehr kooperieren würden, um eine effizientere Energienutzung zu erreichen. Das sei ihm hier deutlich geworden! Ein eigenes Haus mit Passivhausstandard möchte er gerne in seiner Heimat bauen. Philipp Kraschewski, FFB wünschte sich, Energie auch effizienter zu produzieren. Hier sei mehr politisch ungefärbte Information für alle notwendig.
Mut zur englischen Sprache
Der Schulleiter des FFB Horst Klüter bedankte sich zum Abschluss bei den SchülerInnen für die engagierte Teilnahme an der Projektwoche. Lob gab es für die jungen Teilnehmer, sich mutig auf die Sprache Englisch auch am runden Tisch eingelassen zu haben. H. Luckey, CDU-Landtagsfraktion gestand freimütig seine fehlenden Englischkenntnisse. Ein kurzes Statement in der Weltsprache, zumindest zur Abschlussfrage, wäre bei den ca. 250 Zuschauern sicherlich gut angekommen. So wird es der Englischlehrer am FFB sicherlich auch weiterhin schwer haben, die SchülerInnen mit der stetig steigenden Wichtigkeit der Englischkenntnisse für seinen Unterricht zu motivieren. Weitere bekannte Funktionsträger mit unzureichenden Sprachkenntnissen auf Bundes- oder Europaebene seien hier mal nicht weiter erwähnt.
Die Delegationen aus den USA sowie aus Chile konnten in diesem Jahr wegen der Vulkanasche über Europa und dem Erdbeben in Chile leider nicht dabei sein. Die Organisatoren sind zuversichtlich, diese Gäste in zwei Jahren bei der 3. Internationalen Projektwoche mit einem neuen, spannenden Thema in Detmold empfangen zu können.
eck, mai 2010



