Regionaler Entwicklungspreis für Chileaktivitäten
Der Förderverein des FFB hat den von der Parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp ausgelobten regionalen Entwicklungspreis erhalten. Der Verein wurde damit unter 46 eingesendeten Projekten für seine Aktivitäten für die vielfältigen Chileprojekte als Preisträger ausgewählt. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( BMZ ) veranstaltete Gudrun Kopp, MdB am 19. November in Bad Salzuflen ein Entwicklungs-Event, zu dem alle im Bereich Entwicklungspolitik engagierten Bürger eingeladen waren. Gast war Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, der auf Initiative der Staatssekretärin Kopp den regionalen Entwicklungspreis überreichte.
Vereinsvorsitzender Helmut Behnisch nahm den Preis entgegen und wurde für sein bald 25jähriges ehrenamtliches Engagement für die verschiedensten Partnerschulen und Projekte in Chile geehrt. Über 200 Schüler haben inzwischen im Rahmen verschiedenster Projekte, Begegnungsreisen und Arbeitseinsätze Chile besucht. Im Jahr 2012 ist erneut ein Arbeitseinsatz in Chile geplant. Holztechniker und Baudenkmalpfleger wollen in Puerto Montt die Inneneinrichtung eines Kindergartens unterstützen.
Am Wettbewerb um den Preis teilnehmen konnten in Entwicklungsprojekten engagierte Einzelpersonen, Vereine, Stiftungen, Schulklassen, Unternehmen, Mitarbeiter, die sich in herausragender Art und Weise ehrenamtlich für Armutsbekämpfung, mehr Bildung, Gesundheit, etc. engagieren.
Entwicklungsminister Dirk Niebel über die Arbeit lokaler Initiativen und Hilfe am Horn von Afrika
Bad Salzuflen. Er spricht lieber von Entwicklungspolitik als von Entwicklungshilfe. Am Samstag hat sich Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel bei einem „Markt der Möglichkeiten“ in Bad Salzuflen über die Arbeit regionaler Initiativen auf dem Gebiet informiert. Was er an deren Arbeit schätzt, erläutert der FDP-Politiker im LZ-Interview.
Wie viele solcher regionalen „Entwicklungs-Events“ haben Sie schon eröffnet?
Dirk Niebel: Wenige. Es ist das zweite Mal, leider viel zu selten. Ich würde mir wünschen, dass die Zivilgesellschaft noch mehr durch solche Veranstaltungen auf sich aufmerksam macht.
Sie wollen kleine Organisationen stärken. Können Initiativen wie die aus Lippe die große Entwicklungspolitik stemmen?
Niebel: Sie können vielleicht nicht nachhaltig die großen Strukturen in den Partnerländern verändern. Aber sie können sehr wohl dazu beitragen, die Lebensbedingungen von Menschen zu verbessern.
Welche Initiative fanden Sie in Bad Salzuflen besonders interessant?
Niebel: Das waren sehr viele, natürlich der Preisträger (die Chile-Gruppe vom Detmolder Berufskolleg, Anm. d. Red.). Sehr gut gefallen hat mir aber auch das Projekt „Licht in Uganda“ (von Ulrich Lasar aus Leopoldshöhe, Anm. d. Red.). Es klingt für uns vielleicht komisch, aber: Ohne Licht keine Chance auf Bildung. Wenn Kinder vier Stunden Fußweg zur Schule und zurück haben, und da gibt es genügend Fälle, und nebenbei auf dem Feld mitarbeiten müssen, dann fehlt es meistens an Licht, wenn noch gelernt werden soll.
Wie unterstützt Ihr Ministerium diese Arbeit?
Niebel: Von Januar an werden wir eine Servicestelle für das zivilgesellschaftliche und kommunalpolitische Engagement haben. Dort kann man sich über die Fördermöglichkeiten beraten lassen. Man kann aber auch ein Seminar besuchen, wie man Förderanträge stellt.
Dafür braucht man ein Seminar?
Niebel: Ja, es ist leider ein sehr umfassendes Verfahren, weil es um Mittel geht, die dem Steuerzahler gegenüber abgerechnet werden müssen. Und es muss klar sein, dass auch die entwicklungspolitische Dimension abgedeckt ist. Wir wollen zum Beispiel nicht, dass jemand eine Förderung des Staates bekommt, um Altkleider in ein Land zu bringen, das eine Textilindustrie aufbaut, die dann dadurch kaputtgeht.
Die Ziele der Initiativen decken sich nicht immer mit Ihrer Stoßrichtung. Sie sprechen nicht von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit.
Niebel: Aber Sie haben gesehen, dass auch die Initiativen überwiegend nicht den Hilfe-Ansatz haben, sondern den partnerschaftlichen. Mit Ausnahme von einer oder zwei Gruppen hier heute geht es um die Hilfe zur Selbsthilfe.
Und der humanitäre Aspekt?
Niebel: Den halte ich für enorm wichtig in extremen Notsituationen wie Erdbeben oder Hungerkatastrophen. Ich halte ihn aber sogar für teils schädlich, wenn es um Entwicklung geht. Entwicklungszusammenarbeit muss dazu beitragen, nachhaltige Eigenleistungsfähigkeit herzustellen. ...
Lippische Landeszeitung v. 21.11.2011







