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Sonntag, 5. Februar 2012

Rückblick anlässlich des 12 jährigen Bestehens des Chileengagements am FFB

Das Chileprojekt am Felix-Fechenbach-Berufskolleg-Detmold

Das Schulprogramm des FFB legt fest, dass ... das FFB die Kooperation mit Schulen anderer Länder verstärkt und sich um eine Internationali-sierung der Bildung durch Schüler- und Lehrer-austausch und die Bearbeitung gemeinsamer Projekte mit ausländischen Einrichtungen der beruflichen Bildung bemüht. (Leitziel 17 des Schulprogramms). Daher bilden die Schulpart-nerschaften und Kooperationen mit den Schulen anderer Länder ein wichtiges Element des Schullebens. Zur Zeit pflegt das FFB zu Schulen in Litauen, USA, Tschechien, Japan und Chile partnerschaftliche Beziehungen.

Selbsthilfeprojekte seit 1987 in Chile

Und alles begann 1987 mit der Versendung von Werkzeugen und kleinen Maschinen, die in un-serer Schule nicht mehr eingesetzt wurden. Im Rahmen einer „Welthungerwoche“ sammelten wir 1991gebrauchte Kleidung und Spielzeug für mehrere Kinderhorte. Mit einigen Industrienäh-maschinen aus unserer Schule entstand in Nordchile eine Frauenwerkstatt. In dieser Frau-enwerkstatt können jetzt Frauen eines Armen-viertels das Schneiderinnenhandwerk erlernen. Zu dem denkwürdigen Jubiläum „500 Jahre Amerika“ bereiteten wir mit einer Fachober-schulklasse unsere erste Begegnungsreise zu dem südamerikanischen Kontinent vor. Gemein-sam mit chilenischen Jugendlichen haben wir vorhandene thermische Solaranlagen repariert und auf den einfachen Häusern einer Ureinwoh-nersiedlung in der Atacamawüste kleine Solar-anlagen zur Stromerzeugung errichtet. Diese Anlagen erzeugen Licht und somit bessere Le-bensbedingungen in einer stark von der Land-flucht bedrohten Region.

Projekte als Lebens- und Lernorte

Bei unseren Begegnungen wurde immer wieder die schlechte berufliche Ausbildung der chileni-schen Jugendlichen deutlich. Aufgrund der Initia-tive einer nichtstaatlichen Aidshilfegruppe enga-gieren wir uns seit 1995 im Rahmen von Schul-partnerschaften um die Ausbildungsverbesse-rung in der südchilenischen Provinz Arauco. Diese Provinz gehört zu den ärmsten Chiles und ist trotz ihres Holz- und Fischreichtums von einer sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit geprägt. In Absprache mit der chilenischen Regierung und den Lehrern gelang es uns in verschiedenen Schulen die Ausstattung der Werkstätten im Textil-, Holz- Metall-, Elektro- und Nahrungsmit-telbereich mit umfangreichen Sachspenden aus hiesigen Betrieben und Schulen nachhaltig zu verbessern. Parallel zum Aufbau der Werkstät-ten wurden die Lehrer mit neuen Technologien im Bereich Elektronik, Steuerungs- und Informa-tionstechnik vertraut gemacht. Zur Anpassung der Lehrpläne, der Erstellung von Arbeits- und Unterrichtsmaterialien wurden in den genannten Ausbildungsbereichen Lehrerfortbildungen durchgeführt.

Begegnungen schaffen Partnerschaft

Über 20 Lehrerinnen und Lehrer haben bislang an unseren Begegnungsreisen nach Chile teil-genommen, fünf chilenische Kolleginnen und Kollegen waren in Detmold. Auf Schülerseite haben in dieser Zeit über 90 Jugendliche das Angebot zu einem kürzeren oder längeren Ar-beitsaufenthalt in Chile angenommen. Die Mög-lichkeiten reichen von einem vierwöchigen ganz konkreten Projekt zum Bau von Türen oder der Errichtung einer Internetinsel bis zu einem mehr-jährigen Unterrichtsaufenthalt in einer der Werk-stätten unserer Partnerschulen. Unser Berufs-kolleg ist anerkannter Träger des „Anderen Dienstes im Ausland“ und in diesem Rahmen können Schüler nach ihrer Ausbildung ihren Ersatzdienst vom Zivildienst bei der Betreuung von Straßenkindern in Puerto Montt leisten.

Neben der konkreten Hilfe vor Ort ist das Ziel all dieser Arbeitseinsätze durch einen Aufenthalt in Chile eine Möglichkeit zu geben die historisch gewachsene, ungerechte Verteilung von Reich-tum und Lebenschancen in unserer Welt erfahr-bar zu machen. Dies gibt unseren Jugendlichen die in dieser Lebensphase wichtige Möglichkeit, die eigenen Lebensbedingungen und -ziele vor diesem Hintergrund zu reflektieren und das Be-wußtsein für die Probleme der sogenannten "Dritten Welt" zu schärfen. So konnten unsere Jugendlichen in der praktischen Zusammenar-beit mit den Chilenen viel technisches know how weitergeben, was dort dankbar aufgenommen wurde. Unsere Schüler sammeln internationale Berufs- und Lebenserfahrungen. Mit dem Auf-enthalt in der Provinz Arauco sind wir in die Ü-berlebensbedingungen einer strukturschwachen chilenischen Entwicklungsregion einbezogen, die von einer sehr hohen Arbeitslosigkeit bei vorhandenen Fisch-, Holz-, und Kohleressour-cen gekennzeichnet ist. Die Ambivalenz der fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsplatzchan-cen einerseits und auf der anderen Seite die beeindruckende Lebensfreude und Gastfreund-lichkeit lösen in uns eine Vielzahl von Fragen aus. Wir erfahren in Lateinamerika viel über die Probleme der Menschen eines Entwicklungslan-des und uns selbst. Ein Schüler formulierte das treffend:

„Mein Leben hier in Deutschland hat sich verändert, seitdem ich in Lebu war."

Aber auch eine Schule ist durch ihre Erfah-rungswelten in Veränderungsprozesse einbezo-gen und so ist es vielleicht auch eine Folge un-seres Engagements in Chile, dass wir bei der Schulprogrammarbeit 1999 auch formulierten:

„Insbesondere soll (am FFB) die Einsicht vermit-telt werden, dass Nachhaltige Entwicklung einen Ausgleich anstreben muss, zwischen menschli-chen Bedürfnissen und der Leistungsfähigkeit der Natur, zwischen den Bedürfnissen der ge-genwärtigen und der künftigen Generationen und denen der Armen und Reichen.(Leitziel 8 des Schulprogramms).

 

Felix-Fechenbach-Berufskolleg • Saganer Str. 4 • D - 32756 Detmold • Fon: 05231 608200 • Fax: 05231 608288 • info(at)ffb.lippe.de